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Der Zauber der Polarlichter

Plötzlich öffnet sich am Himmel ein geheimnisvoller Schleier aus Licht: grüne und rote Ströme tanzen über die Nacht, wirbeln umeinander, verwandeln sich unaufhörlich und gleiten wie geisterhafte Tücher an den funkelnden Sternen vorbei. Kein Wunder, dass dieses himmlische Schauspiel einst als Botschaft der Götter galt, als warnender Schatten.

Man erzählte sich, die Lichter seien die Spuren der Toten, und wer sie am Firmament erblickte, sollte besser im Schutz der Häuser bleiben. Für die Wikinger waren die Nordlichter ein Zeichen dafür, dass irgendwo auf der Welt eine Schlacht tobte. Wenn die Walküren – jene schimmernden, unheimlichen Frauen aus Odins Gefolge – die Gefallenen durchmusterten, um die Ehrenvollsten nach Walhalla zu führen, dann, so glaubte man, spiegelte sich das Mondlicht auf ihren Rüstungen und ließ den Himmel in diesen wundersamen Farben erstrahlen.

1867 zeigte der schwedische Astronom Anders Jonas Ångström erstmals, dass Polarlichter aus leuchtenden Gasen bestehen. Einige Jahrzehnte später erkannte der norwegische Physiker Kristian Birkeland, dass Teilchen der Sonne diese Gase zum Leuchten bringen. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Sonnenaktivität genauer erforscht.

Man fand heraus, dass die Sonne nicht nur strahlt, sondern auch einen Wind aus elektrisch geladenen Teilchen ins All schleudert. In ihrem heißen Plasma kommt es immer wieder zu Eruptionen, die Materie fortreißen – ähnlich wie ein kochender Topf Wasser Tropfen verspritzt.

Treffen diese Teilchen auf die Erdatmosphäre, werden Sauerstoff- und Stickstoffatome angeregt. Dabei entstehen die Farben des Polarlichts:

  • Grün: Sauerstoff in etwa 100 km Höhe
  • Rot: Sauerstoff in rund 200 km Höhe
  • Violett/Blau: Stickstoff, selten und besonders energiereich

Bei starkem Sonnenwind werden die Teilchen besonders gut in Richtung Atmosphäre gelenkt – vor allem Nähe der magnetischen Pole. Deshalb erscheinen Polarlichter vor allem im hohen Norden und im Süden, wo sie als Aurora Australis sichtbar sind.

Bei sehr hoher Sonnenaktivität können sie jedoch auch in Mitteleuropa auftreten. Dort sind sie meist schwach und durch Stadtlichter kaum zu erkennen, doch an sehr dunklen Orten zeigt sich manchmal ein zarter rosa Schimmer.

Die aktuellen Daten zeigen, dass wir es gerade mit einem der stärksten Sonnenstürme seit über 20 Jahren zu tun haben. Das erklärt sowohl die Sichtbarkeit der Polarlichter über Deutschland als auch ihre ungewöhnliche Intensität.

Die wichtigsten Grundlagen für Bilder

Um Polarlichter zu fotografieren ist eine Mischung aus Technik, Ruhe und ein bisschen Magie. Du brauchst keine Profi‑Ausrüstung, aber ein paar Einstellungen sind entscheidend, damit die Farben und Strukturen wirklich sichtbar werden.

  • Stativ: absolut unverzichtbar, weil du lange belichtest.
  • Weitwinkelobjektiv: ideal sind 14–24 mm (APS‑C entsprechend mehr).
  • Manueller Modus (M): volle Kontrolle über Belichtung, Fokus und ISO.
  • RAW‑Format: maximale Bildqualität für die Nachbearbeitung.
  • Polarlichter sind oft viel schwächer fürs Auge als für die Kamera.
  • Die Kamera sammelt Licht über mehrere Sekunden → Farben werden intensiver.
  • Achte darauf, nicht zu lange zu belichten, sonst wird alles milchig.

Polarlichter mit Kamera fotografieren

Fokus

  • Auf manuell stellen.
  • Auf einen entfernten Lichtpunkt scharfstellen (z. B. Stern, Laterne).
  • Fokus leicht zurückdrehen, bis Sterne punktförmig sind.

Belichtungszeit / Blende

  • 5–15 Sekunden• Schwache Polarlichter → 10–15 s
  • Starke, schnell bewegte Polarlichter → 3–6 s (sonst verschwimmen die Strukturen)
  • Möglichst offen: f/1.4 – f/2.8• Je lichtstärker, desto besser.

ISO

  • 800–3200• Hängt stark von deiner Kamera ab.
  • Moderne Sensoren vertragen ISO 3200 problemlos.

Standortwahl

  • Möglichst wenig Lichtverschmutzung.
  • Freier Blick nach Norden.
  • Keine Straßenlaternen oder Autoscheinwerfer in der Nähe.

Polarlichter mit dem Smartphone

iPhone

  • Nachtmodus aktivieren (geht automatisch).
  • Belichtungszeit manuell auf maximal stellen (bis zu 30 s möglich).
  • Stativ oder fester Untergrund verwenden.
  • Weitwinkel nutzen.
  • RAW aktivieren, falls verfügbar („ProRAW“).

Android (Samsung, Pixel usw.)

  • „Pro‑Modus“ oder „Nachtmodus“
  • ISO 800–1600
  • 5–10 s Belichtung
  • Fokus auf unendlich
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